Somms Memo #3: Bundesrat verordnet Placebo-Massnahmen

Somms Memo #3: Bundesrat verordnet Placebo-Massnahmen

Die Fakten: Der Bundesrat schlägt verschärfte Massnahmen gegen Covid vor. Die meisten gehen weniger weit als erwartet. Von österreichischen Verhältnissen sind wir weit entfernt.

image
von Markus Somm am 1.12.2021, 11:10 Uhr
image
Die Todesfallzahlen sind auf 20 Monate gerechnet.

Warum das wichtig ist: Dem Bundesrat hätte härter vorgehen können. Das Volk hat die offizielle Corona-Politik eben erst deutlich abgesegnet.
Zuerst die gute Nachricht: Von Machtrausch ist in Bern nichts zu spüren – was man durchaus hätte befürchten können, nachdem das Covid-Gesetz am Sonntag so klar angenommen worden war. Vielmehr handelt der Bundesrat vorsichtig. Die einzelnen Massnahmen, die er gestern an seiner Krisensitzung beschlossen hat, sind moderat. Ebenso hat er sie in die Vernehmlassung geschickt, um sich besser abzustützen. Kantone, Sozialpartner und Parlament sollen bis Mittwochabend Stellung nehmen.
Nach wie vor wird in der Schweiz nicht durchregiert – sondern debattiert, gezögert, gewerweisst, abgeschmeckt. Und am Ende verhungert jeder Diktator in der Vernehmlassung. Die Schweiz, wo nie ein grosser Wurf stattfindet, sondern immer nur Würfchen, wird ihrem Ruf gerecht.
Selbst in Zeiten der Pandemie hat das ihr Gutes – und auch ihr Schlechtes.
Das Gute: Sollte sich die Lage nicht dramatisch zuspitzen – was immer möglich ist – dann scheint es zur Stunde unwahrscheinlich, dass die Schweiz dem Vorbild Österreichs oder Deutschlands folgt und gar wieder in einen Lockdown abgleitet. Unsere Regierung wird dazu nicht den Mut aufbringen – noch ist sie so abgehoben, dass sie durchsetzt, was ihr gefällt, als ob sie kein Volk zum Regieren hätte, sondern nur Schafe und Esel. Dafür muss man den Bundesrat loben.
Das Schlechte: Die meisten Massnahmen, die zur Diskussion stehen, dürften wenig bringen. Sie sind im wahren Sinne des Wortes populistisch. Placebos, um eine erneut verängstigte Bevölkerung zu beruhigen, nachdem man – besonders die «Task force» –alles dafür getan hat, um sie dauernd in Angst und Schrecken zu versetzen. Wenn Alain Berset, der Gesundheitsminister, versagt hat, dann in dieser Abteilung: Statt Zuversicht auszustrahlen, was immer auch komme, zieht er es vor, den Dirigenten eines Panikorchesters zu spielen. Elegant, aber morbid.
image
Ersatzhandlungen: Geht es nach dem Bundesrat, soll in Restaurants wieder die Maske getragen werden, erst am Tisch darf man sie abnehmen. Was soll das? In der Regel schwatzt man nicht beim Gehen und sondert ansteckende Tröpfchen ab, sondern beim Sitzen, wenn man redet. Aber natürlich möchten wir da auch den Mund öffnen dürfen, um zu essen. Noch ist die Maske nicht erfunden, wo man die Nahrung osmotisch zu sich nehmen könnte. Hinzu kommt, dass wir mittlerweile recht genau wissen, dass in den Restaurants sich die Menschen kaum infiziert haben. Mit anderen Worten, das sind rituelle Verrichtungen geradezu religiöser Natur – gesundheitspolitisch bewirken sie so gut wie nichts.
image
Was wäre zu tun? Statt sich aufs Gesundbeten im Zeichen der Maske zu verlegen, hätte der Bundesrat besser diese Dinge vorangetrieben:
  1. Boostern! So vielen Menschen über 60 wie möglich sofort eine dritte Impfung verschaffen.
  2. Kapazitäten der Spitäler ausbauen! Jedes Mal lösen steigende Fallzahlen und Hospitalisierungen Unruhe aus. Schon nur 50 Intensivbetten mehr – und das Massnahmen-Karussell käme zum Stehen.
  3. Sich auf Risikogruppen konzentrieren. Bisher sind rund 11'000 Menschen in der Schweiz an oder mit Corona gestorben. Bloss 68 waren unter 50 Jahre alt. Es ist eine Seuche, die überwiegend die Älteren trifft. Das muss die Corona-Politik anleiten.
  4. Es ergibt daher keinen Sinn, die Jungen einzusperren oder in der Schule zu maskieren, um sie vor einer Krankheit zu schützen, die ihnen nichts anhaben kann.
  5. Alte durch Impfen schützen, Junge sich anstecken lassen: So erreichen wir die dringend nötige Herdenimmunität.
Denn Corona bleibt. Wir müssen damit leben lernen. Aber so wie wir bisher damit gelebt haben, ist das Leben für manche gar nicht mehr lebenswert.
Hat Ihnen SOMMS MEMO gefallen? Abonnieren Sie!
SOMMS Memo abonnieren
Empfehlen Sie uns weiter, kommentieren Sie, leiten Sie dieses Memo an Freunde und Bekannte weiter!

Mehr von diesem Autor

image

Somms Memo #32 - Unsere Abhängigkeit von Putin

Markus SommHeute, 11:00comments
image

Nichts ist faul im Staate Dänemark

Markus Somm22.1.2022comments

Ähnliche Themen