Kinderimpfung: Swissmedic wartet Studienergebnisse ab

Kinderimpfung: Swissmedic wartet Studienergebnisse ab

Bei der Zulassung für den Impfstoff von Pfizer/Biontech warnten die Hersteller vor einer Impfung für Minderjährige. Nun wollen sie plötzlich eine Zulassung für eine Kinderimpfung – sind alle Risiken behoben?

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von Serkan Abrecht am 1.12.2021, 05:02 Uhr
In der Schweiz noch nicht erlaubt: Ein kleines Mädchen erhält in Wien die Corona-Impfung. Bild: Keystone-SDA
In der Schweiz noch nicht erlaubt: Ein kleines Mädchen erhält in Wien die Corona-Impfung. Bild: Keystone-SDA
Mitarbeit: Maria-Rahel Cano
Als erstes Land kamen die USA: Seit Anfang November werden dort Kinder ab fünf Jahren geimpft. Aber auch hierzulande werden Stimmen lauter, die eine Impfung für unsere Kleinsten wollen. In der «NZZ» oder «SRF» fordern Ärzte eine Spritze für Kinder ab fünf Jahren. Schweizer Eltern reisen sogar mit ihren Kindern ins Ausland – beispielsweise nach Österreich –, um ihre Kinder impfen zu lassen. Mittlerweile haben auch Pfizer/Biontech und Moderna einen Antrag für die Impfzulassung eingereicht.
Doch beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic will man nichts überstürzen. Ganz im Gegensatz zur Situation Anfang des Jahres, als das Institut beiden Impfstoffen die Zulassung erteilte, obwohl noch erhebliche Unsicherheiten und Risiken vorhanden waren (lesen Sie hier unsere Recherche).

Hersteller selbst kritisierten Kinderimpfung

«Swissmedic wird über das Nutzen-Risiko Verhältnis in den beantragten Altersgruppen befinden, sobald die wissenschaftliche Datenlage dies hergibt. Wenn die Qualität der eingereichten Daten und die Antworten auf unsere Fragen es erlauben, wird Swissmedic rasch eine Entscheidung treffen und dies wie gewohnt kommunizieren», schreibt Swissmedic-Sprecher Lukas Jaggi auf Anfrage.
Auch die Eidgenössische Kommission für Impffragen spricht sich in ihrem aktuellen Bericht gegen eine Kinderimpfung aus: «Die Impfung von Kindern unter 12 Jahren ist derzeit weder zugelassen noch empfohlen.»
Die Kinderimpfung haben die Hersteller selbst als besonders heikel bezeichnet. Nun treiben Pfizer/Biontech und Moderna sie selbst voran. Am 18. und 19. November reichten beide ihr Gesuch für die Kinderimpfung ein. Eine Kehrtwende.
Noch vor einem Jahr klang es in den Zulassungsdokumenten für die Impfstoffe so: «Gemäss den vorliegenden Daten, kann kein Sicherheitsprofil für pädiatrische Patienten (Kinder) erstellt werden». Das schrieb Pfizer/Biontech an die Swissmedic. Eine Untersuchung dazu werde im Juli 2024 vorliegen. «Es muss festgehalten werden, dass eine Sicherheit für Kinder momentan nicht gegeben ist», schreibt der Hersteller selbst.
Mehrere Experten wie die Genfer Virologin Isabella Eckerle bedauern jedoch, dass in der Schweiz Kinder nocht nicht geimpft werden.

Vulnerable Kinder

Obwohl Ärzte und Wissenschaftler Druck ausüben, will sich die Swissmedic nicht zu einer Einschätzung zur Sicherheit der Kinderimpfung verleiten lassen. «Dafür ist es zu früh, da Gegenstand der laufenden Verfahren. Man wartet ab.
In der Regel würden Kinder aus ethischen Gründen nicht in den ersten Studien zu neuen Arzneimitteln eingeschlossen werden – so auch bei den Covid-19-Impfstoffen. «Kinder sind eine besonders vulnerable Gruppe, deshalb müssen entsprechende klinische Studien besonders sorgfältig aufgesetzt und durchgeführt werden», so Swissmedic.
Einzig Kinder mit einer gefährlichen Vorerkrankung werden geimpft. Offizielle Zahlen dazu sind nicht öffentlich einsehbar. Der Netzaktivist Hernani Marques konnte im Juli vom Bundesamt für Gesundheit Einsicht in die Zahlen erlangen. Damals waren es 436 Kinder unter 12 Jahren, die geimpft wurden.

So viele Kinder sind betroffen:

Gemäss den aktuellsten Zahlen des Bundesamts für Statistik leben in der Schweiz 615'000 Mädchen und Buben zwischen 5 und 11 Jahren, die momentan nicht geimpft werden dürfen. Stand 15.11 bis 21.11.2021 waren 4’555 Kinder zwischen 0 und 9 Jahren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Bei den 10 bis 19-Jährigen sind es mit 7’326 laborbestätigten Fällen im selben Zeitraum die meisten in allen Altersgruppen. Davon waren jeweils 4 respektive 3 Betroffene hospitalisiert (Lesen Sie hier unser Corona-Update).

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