ETH kämpft gegen «Periodenarmut»

ETH kämpft gegen «Periodenarmut»

Die Menstruation gilt an der ETH Zürich als Armutsrisiko. Deshalb verteilt die Hochschule auf Kosten des Steuerzahlers gratis Tampons und Binden an hochqualifizierte Menstruierende verschiedenen Geschlechts.

image
von Claudia Wirz am 22.11.2021, 19:00 Uhr
image
Die ETH Zürich gehört zu den besten Hochschulen der Welt. Zurecht sind wir stolz auf sie. Allein 21 Nobelpreisträger hat sie bisher hervorgebracht, für Chemie, Physik und Medizin. Von zahlreichen weiteren Preisen und Preisträgern ganz zu schweigen.

Mainstream statt Exzellenz

Doch der Zeitgeist nagt an den Säulen dieses Tempels der Gelehrsamkeit wie ein Holzwurm am Gebälk eines mächtigen Kirchenschiffes. Schnell vergessen ist das Bekenntnis zur Exzellenz, wenn es um politische Korrektheit geht. In diesem Bereich will die ETH die bravste aller Dienerinnen des Mainstreams sein. So kommt es, dass sie auf Geheiss der hausinternen Gender- und Diversity-Lobby neuerdings gegen «Periodenscham» und «Periodenarmut» ins Feld zieht.
Wer meint, all das habe mit dem Periodensystem zu tun, wird enttäuscht. Hier geht es nicht um chemische Elemente, sondern um Tampons und Binden. Neuerdings bietet die ETH in 22 Damen- und Unisex-Toiletten gratis solche Artikel an. Das sei nötig, um ein bestmögliches Arbeits- und Studienumfeld zu gewährleisten, schreibt die Kommunikationsstelle der ETH. Gratistampons sind also offenbar eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches ETH-Studium.

Zwei auf einen Streich

Mit ihrem heroischen Einsatz gegen die sozialen Folgen der Menstruation will die ETH gleich zwei gravierende Probleme unserer Zeit lösen. Erstens geht es um Chancengleichheit. Die Betroffenen – allein durch ihre Zugehörigkeit zur ETH schon überdurchschnittlich privilegiert – sollen finanziell entlastet werden. Das müsse sein, «damit sie ihr Studium durchführen können, ohne auf etwas zu verzichten», lässt sich Projektleiterin Hanna Wolf in der «Studierendenzeitung» zitieren.
Zweitens geht es der ETH darum, die Menstruation vom Tabu, also von der Scham, zu befreien. Man erhofft sich diesbezüglich gar einen gesellschaftlichen Quantensprung für die ganze Schweiz. Für das Pilotprojekt hat die Hochschule laut der «Studierendenzeitung» vorderhand 20’000 Franken bereitgestellt, wobei das Projekt auf unbestimmte Zeit weiterläuft und weiter wachsen soll. Es gibt schliesslich rund 570 Damen- und Unisex-Toiletten an der ETH.

Wenn Korrekte sich verstricken

Dumm nur, dass sich in dem fein gesponnenen Netz der politischen Korrektheit selbst die Gutmütigsten verheddern können. So geschehen auch im Zuge der Tampon-Offensive. Deren geistige Mütter mussten nämlich feststellen, dass die Kerngruppe des Projekts ausschliesslich aus Frauen bestand. Für gendersensible Gemüter ist das ein übler Frevel. Denn ein solch unausgewogenes Gremium könnte falsche, ja gar verletzende Signale an Personen senden, die zwar menstruieren, sich aber nicht als Frauen fühlen.
Projektleiterin Wolf ist pflichtschuldig zur Stelle, um diesen Fauxpas zu rechtfertigen. Sie versichert, das Angebot stehe allen menstruierenden Personen offen, also auch solchen, die zwar einen Uterus haben, sich aber nicht als Frau identifizieren. Die Welt der Gender ist also wieder in Ordnung.
Ob die ETH für dieses Manöver mal den Nobelpreis kriegt? Das darf glücklicherweise bezweifelt werden. Vielleicht gibt es ja tatsächlich einen plausiblen Grund, warum die bisherigen Nobelpreisträger der ETH Zürich alles Männer sind.

Mehr von diesem Autor

image

Viele Journalisten lieben den Staat

Claudia Wirz18.1.2022comments

Ähnliche Themen