Die will doch nur spielen!

Die will doch nur spielen!

Wenn sich der Jäger neu sammeln muss: Sie will sich nur verlustieren, er will die Beziehung definieren.

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von Dominique Feusi am 18.10.2021, 08:42 Uhr
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«Warum können wir nicht einfach nur Sex haben?»
Richtig, das kann nur ein Mann sagen. Er will nur ein bisschen Spass haben, wohingegen die Frau meist eine feste Bindung anstrebt und sich nach der Kopulation schon nach Hochzeitskleidern umsieht. Okay, das wollte ich gerade inbrünstig, ja aus tiefster Überzeugung schreiben, so à la: Der Jäger im Mann will es eben einfach treiben, wohingegen die Frau ...

Vom Glück gut bestückt

Filmriss. Verdammt. So ein hinterhältiger Schnipsel Vergangenheit macht sich in meinen Gedanken breit. Verflucht, jetzt fällt mir ein, weshalb mir der Satz so bekannt vorkommt! Ja, ich habe ihn auch schon gesagt. Genau, und ich bin, Überraschung, eine Frau.
Ich war Anfang zwanzig. Er auch. Und er ward vom Glück ausserordentlich gut bestückt. Zumindest in rein körperlicher Hinsicht. Ein wirklich hübscher Bursche mit der Postur eines Baumstamms. Beim Geist hatte sich die Natur dann aber wohl gesagt: Na, jetzt aber mal halblang!

Fifty Shades of Gähn

Er war nicht unbedingt dumm, aber eben wahnsinnig langweilig. Ein Adonis mit einem Körper wie aus Marmor und dem Esprit von einem Gartentor. Humor? Vielleicht schon, aber wir teilten ihn nicht. Haben wir mal gemeinsam gelacht? Ich kann mich nicht erinnern, wir haben sonst Erquickendes zusammen gemacht. Denn seltsamerweise war er ein einfallsreicher Liebhaber, aber neben den Laken hiess es Fifty Shades of Gähn.
Und als er dann eines Abends mit einem Blumenstrauss in der Hand unangemeldet vor der Haustür stand und sagte: «Wollen wir zusammen essen gehen?», da hab' ich ihn voller Verzweiflung gefragt: «Warum können wir nicht einfach nur Sex haben?»
Und mein damaliger Mitbewohner lachte: «Bravo, jetzt wirst du den Langweiler nie mehr los! Frag ihn doch gleich noch, was er von einem Dreier mit deiner besten Freundin hält, dann will er dich heiraten!»
Ich fand mich damals ausgesprochen fair: «Aber er kann sich ja auch mit anderen treffen, ich will nur mit ihm schlafen!» Und mein Mitbewohner schüttelte den Kopf und sagte: «Du hast keine Ahnung von Männern! Wenn das so weitergeht, will ich dich heiraten!»

Mist, war ich Antagonist?

Tja, es erstaunt mich, wohin heute diese Kolumne führt. Kennen Sie das, wenn man im eigenen Biopic stets eine formidable Falle abgibt? Wenn man in der Erinnerung so rein äusserlich, aber natürlich vor allem charakterlich eine 1a Person ist? Und die Nostalgie über alles einen Weichzeichner legt? Und einem irgendwann urplötzlich aufgeht: Moment, war ich in dieser Geschichte gar nicht der Held? Mist, war ich Antagonist?

Wein, Sex und Gesang

Aber eigentlich wollte ich von der schönen G. erzählen, von der Unzähmbaren, die reihenweise Männerherzen bricht. Und zwar nicht mit Absicht. Sondern einfach, weil sie sich nicht binden will.
Nicht mehr. Denn die schöne G. war 15 Jahre lang in einer Beziehung, versteht sich noch immer gut mit ihrem Ex, aber sie frönt momentan dem Motto «Wein, Sex und Gesang» und lebt alles andere als monogam. Es scheint ihr gut zu bekommen, denn sie wirkt im Allgemeinen mit sich und dem Leben im Reinen. Sehr zufrieden eben. Und das macht die Männer verrückt.
«Hilfe!», lacht die schöne G., als ich sie neulich sehe. «Versteck mich! Da hinten ist der K., und der will wieder unsere Beziehung definieren!» Tja, und dass der K. mal mit einer Frau «unsere Beziehung definieren will», das ist Karma.
Denn der K. ist ein stadtbekannter Herzensbrecher, ein Filou, ein ewiger Junggeselle, der sie alle kriegt und keine lange will. Und was passiert, wenn er auf die Erste und Einzige trifft, die sich nur mit ihm vergnügen will? Richtig, er ist laut eigener Aussage: «Verliebt wie nie!»
Und die schöne G. klagt: «Warum können wir nicht einfach nur Sex haben?»
Keine Ahnung, liebe G., das musst du das Universum fragen.

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