Deutsche Regierung: Rot, Gelb – und zu viel Grün!

Deutsche Regierung: Rot, Gelb – und zu viel Grün!

Kohleausstieg acht Jahre schneller – und 80 Prozent erneuerbare Energie bis 2030: Die neue Regierung aus SPD, Grünen und FDP will die Klimapolitik enorm beschleunigen. Dass Deutschland das schafft, darf bezweifelt werden.

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von Alex Reichmuth am 25.11.2021, 15:00 Uhr
Die Spitze der neuen Ampel-Regierung bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags am 24. November. Bild: Keystone
Die Spitze der neuen Ampel-Regierung bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags am 24. November. Bild: Keystone
«Mehr Fortschritt wagen» lautet der Slogan der neuen Ampel-Regierung, die soeben ihren Koalitionsvertrag präsentiert hat. Passender wäre wohl gewesen: «Mehr Klimaschutz wagen» – denn der Kampf gegen die Erderwärmung ist dominant in der Regierungserklärung.
Offensichtlich haben die Grünen ihre Ambitionen in diesem Bereich weitgehend durchsetzen können. Künftig sollen alle neuen Gesetze einem «Klimacheck» unterworfen werden. Und Robert Habeck, Co-Vorsitzender der Grünen, wird als Chef des neuen Wirtschafts- und Klima-Superministerium die Kontrolle haben.

Bis 2030 fallen fast 40 Prozent des Stroms weg

Was die Ampel in Sachen Klima anstrebt, ist schlicht atemberaubend. Deutschland soll bis 2045 unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstossen. Der Ausstieg aus der Kohleenergie wird um acht Jahre auf 2030 vorgezogen. Heute trägt die Kohle stattliche 27 Prozent zur Stromversorgung bei.
Zusammen mit dem Atomausstieg, der nächstes Jahr vollzogen wird, fehlen Deutschland bis Ende des Jahrzehnts damit fast 40 Prozent des Stroms. Gleichzeitig wird die Nachfrage nach Elektrizität kräftig steigen, sollen doch gemäss der Koalition bis in achteinhalb Jahren 15 Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Strassen verkehren. Heute sind es erst 500’000.

Heute erst 42 Prozent erneuerbarer Strom

Darum strebt die Ampel eine gewaltige Beschleunigung beim Ausbau der erneuerbaren Energien an. Bis 2030 sollen diese 80 Prozent der Elektrizität liefern. Die alte Regierung peilte 65 Prozent an. Heute beträgt der Anteil der Erneuerbaren allerdings erst 42 Prozent.

Die Deutsche Energieagentur sprach kürzlich von einer «gewaltigen Herausforderung», vor der das Land stehe.


Die Windkraftproduktion auf dem Meer etwa soll bis 2030 auf 30 Gigawatt ausgebaut werden. Bisher waren 20 Gigawatt vorgesehen. Das bedeutet, dass mehrere Tausend Windkraftanlagen zusätzlich gebaut werden müssen.

«Alle Hürden und Hemmnisse» abbauen

Dabei steckt die Energiewende heute schon fest: Wegen der Gegenwehr der Bevölkerung können an Land kaum noch neue Windräder aufgestellt werden (siehe hier und hier). Und auch der Ausbau der Übertragungsnetze stockt. Die Koalition will nun «alle Hürden und Hemmnisse» abbauen, um den Ausbau von Wind- und Solarenergie voranzubringen – was immer das heissen mag.
Die Deutsche Energieagentur sprach kürzlich von einer «gewaltigen Herausforderung», vor der das Land stehe – und das bezog sich auf die weniger ambitionierte Klimapolitik der alten Regierung (siehe hier). Folglich dürfte die Herausforderung nun noch gewaltiger sein. Es ist zu bezweifeln, dass Deutschland das schaffen wird.

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Alex ReichmuthHeute, 05:00comments

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