«Denkt er, dass ich eine Nutte bin?»

«Denkt er, dass ich eine Nutte bin?»

Wurden Sie schon mal irrtümlicherweise für Sex bezahlt? Mögen Sie die Seestern-Stellung? Nein danke? Wie wärs mit einem Orgasmus UND 250 Franken?

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von Dominique Feusi am 4.10.2021, 09:05 Uhr
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Auf dem Gymnasium, also quasi vorgestern, erzählte mir die Schulkollegin B., welche gleichermassen mit aufsehenerregender Schönheit sowie mit ausserordentlicher Naivität geschlagen war, sie hätte eine prickelnde Nacht mit einem Banker verbracht.
Das war nicht das eigentliche Problem, aber damals gleichwohl ein Vergehen. Denn in unseren Augen waren wir wild und kreativ und an den Bankern hing der Establishment-Mief. Typen, die hässliche Anzüge trugen, nur in Rudeln auftraten und permanent über ihre vermeintlichen Erfolge sprachen. Die Antagonisten unserer Geschichten. Ins Kaufleuten? Nope, nicht heute, nur Banker da!

Sleeping with the Enemy

Mit Bankern hing man nicht rum. Und man ging schon gar nicht mit Bankern ins Bett. Die B. fand dann aber ein schönes junges Exemplar dennoch schampar nett.
Sie hätten im Klub miteinander getanzt. Und tiefschürfende Gespräche geführt. Nun ja, so BUM-BUM-BUM TIEFSCHÜRFENDE GESPRÄCHE BUM-BUM-BUM WIE MAN EBEN BUM-BUM-BUM IN EINEM KLUB BUM-BUM-BUM FÜHREN KANN. Und bevor beide einen kompletten Hörschaden erlitten, habe er gefragt: GEHEN WIR AN EINEN RUHIGEREN ORT?

Das Nuttengeld

Und schon waren sie fort. Der ruhige Ort war ein luxuriöses Hotel am Zürichsee, die B. fand’s schön: das Hotel, den Sex, den Mann; das Gesamtpaket zauberte ihr ein Strahlen ins atemberaubende Antlitz. Aber dann kam der nächste Morgen, und als sie aufwachte, war der Mann weg. Doch Monsieur hatte ihr etwas hinterlassen, die B. konnte es kaum fassen: «Er hat mir 1000 Stutz aufs Nachttischli gelegt!» Zornesfalten zerfurchten ihre hübsche Stirn: «Denkt er, dass ich eine Nutte bin?»
Nein, Schätzelchen, er hält dich für die Prinzessin von Avalon und hat dir 1000 Taler für die Heimreise dagelassen.
Doch die B. war neben ihrer aufsehenerregenden Schönheit zum Glück auch mit einem ausserordentlich fröhlichem Gemüt bestück und befand schnell, dass eine schöne Nacht mit einem schönen jungen Mann in einem schönen Hotel plus ein schöner Batzen Geld kein schlechter Deal wären. Drei Tage später zog sie mit dem schönen Bassisten einer Schülerband rum und verprasste das Nuttengeld.

Plötzlich Prostituiere?

Letzte Woche beschäftigte uns hier die Frage: Darf man sich nach dem Sex bedanken? Und da musste ich natürlich an die B. denken. Und die Frage: Wurden Sie schon mal irrtümlicherweise für Sex bezahlt?
Also quasi die Disney-Schmonzette: «Plötzlich Prinzessin». Einfach in der Version: «Plötzlich Prostituiere»? Oder unverhofft: «Ein Mann für gewisse Stunden?»
Der N. ist das auch passiert. In ihrer Sturm-und-Drang-Zeit habe ihr ein Mann nach getaner Arbeit 250 Franken aufs Nachttischli gelegt. Damit man es richtig versteht: Der Mann hat gearbeitet. Denn die N. hat, wie sie selber sagt, am liebsten Seestern-Sex.

Bitte beehren Sie uns wieder!

Keine Angst, Sie haben nicht den 51sten Shade of Gray verpasst, da läuft nix Anrüchiges mit Meeresgetier. Ich hab’s jedenfalls nicht gleich gecheckt, da hat man mir gesteckt: der Seestern ist eigentlich die Missionarsstellung – auf dem Rücken liegend, alle Viere von sich gestreckt. Und die N. sagte, sie gebe unumwunden zu, sie sei im Bett ein faules Stück, sie stehe nicht auf Akrobatik, sondern liege am liebsten wie ein träger Seestern rum und empfange ihr Glück.
Nein danke? Auch nicht meins, aber ihre Schlussrechnung war dennoch solide: Ein Orgasmus UND 250 Franken? Bitte beehren Sie uns wieder!
«Vielleicht hat er das Geld auch einfach vergessen», lachte die N. Sie war jedenfalls auf eine Klärung nicht versessen. Was soll man auch schreiben?
«Falls du denkst, ich bin die Prinzessin von Avalon, das Geld für die Heimreise hab ich schon!»?

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